Die Lücke zwischen Bestandsmieten und Neuvermietungsmieten ist in Hannover so groß,dass ein Geschäftsmodell hineinpasst. Die Immobilien Zeitung sprach mit Andreas Kurowski und Oliver Carl, Geschäftsführer des Wohnungsunternehmens Nero, sowie Oliver Kiaman,Vorsitzender von Haus & Grundeigentum Hannover.
Immobilien Zeitung: Sie kaufen Wohnungen, sanieren sie und verdienen damit Geld. Wie funktioniert das?
Andreas Kurowski: Wir kaufen Mehrfamilienhäuser und Wohnanlagen mit niedrigen Bestandsmieten und entwickeln sie über Fluktuation und Sanierungen weiter. Häufig liegen die Durchschnittsmieten beim Ankauf zwischen 6 und 7 Euro/qm. Nach der Sanierung erreichen wir bei Neuvermietungen 12 bis 14 Euro/qm. Hannover bietet dafür ein außergewöhnlich hohes Mietsteigerungspotenzial.
IZ: Wo findet man heute noch solche Mieten?
Kurowski: Praktisch in allen Stadtteilen, sogar in der Südstadt oder der List. Die Objektestammen oft aus Familienbesitz. Viele Eigentümer haben die Häuser neben ihrem eigentlichen Beruf verwaltet und über Jahre wenig verändert. Wir übernehmen dann die Weiterentwicklung.Allein in diesem Jahr haben wir bereits für rund 20 Mio. Euro in Hannover gekauft und könnten mit unserem aktuellen Setup bis zu 50 Mio. Euro investieren.
IZ: Trotz der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken?
Kurowski: Ja. Wir arbeiten mit mehr als 30 Banken zusammen, vor allem Volksbanken und Sparkassen. Sie kennen unseren Track Record und finanzieren weiterhin.
IZ: Welche Rolle spielt die energetische Sanierung?
Kurowski: Eine große. Für uns ist Fernwärme ein entscheidendes Kriterium.
Oliver Carl: Hannover ist hier vorbildlich. Vor jedem Ankauf prüfen wir über die Online-Karte von Enercity, wann die Fernwärme in einem Gebiet verfügbar sein wird. Das gibt Planungssicherheit für uns und die finanzierenden Banken.
Kurowski: Wir haben zuletzt ein Quartier in Herrenhausen mit 17 Mehrfamilienhäusern und 140 Wohnungen gekauft. Fernwärme war für uns ein wesentlicher Faktor. Die Durchschnittsmiete lag bei 6,80 Euro/qm, nach Kernsanierung erzielen wir rund 14 Euro/qm.
Wir kaufen inzwischen nahezu in allen Stadtteilen
IZ: Warum konzentrieren Sie sich auf Hannover?
Carl: Hannover hat seit Jahren ein positives Wanderungssaldo. Die Nachfrage ist stabil, und durch energetische Verbesserungen lassen sich Wertsteigerungen realisieren. Hinzu kommen kurze Wege und Skaleneffekte durch unser lokales Netzwerk.
IZ: Welche Stadtteile sind besonders interessant?
Kurowski: Wir kaufen inzwischen nahezu in allen Stadtteilen – von List, Oststadt und Südstadt bis Ricklingen, Stöcken, Linden oder Nordstadt. Nur soziale Brennpunkte meiden wir.
IZ: Wie unterscheiden sich die Teilmärkte?
Kurowski: Die Neuvermietungsmieten liegen zwischen etwa 12 und 14 Euro/qm. Deutlich stärker unterscheiden sich die Kaufpreise und Vervielfältiger. In Hannover werden derzeit etwa das 17- bis 22-Fache der Jahresmiete beurkundet.
IZ: Ist Hannover vom Volkswagen-Konzern abhängig?
Oliver Kiaman: Deutlich weniger als Wolfsburg oder Braunschweig. Hannover verfügt über eine breite Wirtschaftsstruktur mit Versicherungen wie HDI, VHV oder VGH, Unternehmen wie Continental und TUI sowie Volkswagen Nutzfahrzeuge. Das macht den Standort robuster. Bauturbo ok, aber Baukosten weiter zu hoch
IZ: Welche Auswirkungen haben die Änderungen der Niedersächsischen Bauordnung und des sogenannten Bauturbo?
Kurowski: Grundsätzlich begrüßen wir die Erleichterungen. In der Praxis rechnen sich Dachgeschossausbauten aber häufig noch nicht. Die Bau- und Finanzierungskosten sind weiterhin zu hoch.
10.06.26, 22:37 „Hannover bietet ein außergewöhnlich hohes Mietsteigerungspotenzial“ https://www.iz.de/unternehmen/news/-hannover-bietet-ein-aussergewoehnlich-hohes-mietsteigerungspotenzial-2000044765 2/3
Kiaman: Hinzu kommen Fachkräftemangel und hohe Handwerkerkosten. Viele private Eigentümer schrecken deshalb vor solchen Projekten zurück.
IZ: Auf welche Rendite zielen Sie?
Kurowski: Langfristig auf 7% bis 8%. Bei Finanzierungszinsen von 4% bis 5% muss ausreichend Rendite übrig bleiben.
IZ: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im Jahr 2030?
Kurowski: Wir verfolgen keine festen Wachstumsziele. Wenn gute Objekte kommen, kaufen wir. Wenn ein oder zwei Jahre nichts Passendes dabei ist, ist das auch in Ordnung.
Carl: Die Märkte sind zu volatil für starre Pläne. Niemand weiß heute, wie sich Zinsen,Konjunktur oder geopolitische Entwicklungen in den kommenden Jahren verändern.
IZ: Profitieren Sie davon, dass institutionelle Investoren derzeit zurückhaltend sind?
Kurowski: Ja. Viele Fonds und große Bestandshalter verkaufen derzeit eher, als dass sie kaufen. Dadurch ergeben sich Chancen, die es vor 2022 so nicht gab.
Carl: Diese Situation wird nicht dauerhaft bestehen. Irgendwann werden die institutionellen Investoren wieder zurückkehren.
Publikum der Real Estate Arena ist jünger als bei anderen Messen
IZ: Sind Sie auf der Real Estate Arena 2026 vertreten? #REA26
Kurowski: Ja, mit einem eigenen Stand. Die Messe hat sich sehr gut entwickelt. Sie hat inzwischen ein Profil, das insbesondere mittelständische Unternehmen anspricht.
Kiaman: Die Real Estate Arena setzt stärker auf Inhalte und Zukunftsthemen als viele andere Messen. Die Foren sind gut besucht, und mit den Proptechs haben sie zusätzliche Zielgruppen erschlossen.
Kurowski: Sie ist bislang vor allem eine norddeutsche Messe. Genau das kommt uns entgegen.Außerdem ist das Publikum deutlich jünger als auf vielen anderen Immobilienveranstaltungen.
IZ: Herzlichen Dank für das Gespräch, meine Herren!
Das Gespräch führte Friedhelm Feldhaus
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus
https://www.iz.de/unternehmen/news/-hannover-bietet-ein-aussergewoehnlich-hohes-mietsteigerungspotenzial-2000044765
Das Gespräch führte Friedhelm Feldhaus